Weiße cis-hetero-Männer erklären die Welt

Weiße cis-hetero-Männer erklären gerne die Welt. Sie haben nämlich gelernt, dass das ihr Platz in der Gesellschaft ist, dass sie die Definitionshoheit haben und dass ihnen Gehör geschenkt wird. Von anderen weißen cis-hetero-Männern. Und das ist ja schließlich die relevante Zielgruppe, die erreicht und angesprochen werden muss, denn sie haben die Definitionshoheit, ihnen wird Gehör geschenkt und sie können uns dann besser die Welt erklären, wie es ihre angestammte Rolle ist.

Menschen aus marginalisierten Gruppen hingegen sind marginalisiert. Das heißt, sie haben keine Definitionshoheit, ihr Platz in der Gesellschaft ist auf den Zuschauerbänken. Wenn sie dort schön brav sitzen bleiben und den weisen (oh, Verzeihung, Tippfehler) cis-hetero-Männern lauschen und applaudieren, dann werden sie geduldet, denn unsere Gesellschaft ist schließlich tolerant! Wenn sie aber wagen, sich das Wort zu nehmen, einen eigenen Standpunkt zu haben und die eigenen Belange zu vertreten, dann werden sie niedergebrüllt von einem Sturm der Entrüstung. Denn dann nehmen sie Platz ein, der ihnen angestammtermaßen nicht zusteht: den Platz der weißen cis-hetero-Männer.

Die klare Schlussfolgerung aus diesen Überlegungen: weiße cis-hetero-Männer müssen anderen weißen cis-hetero-Männern erklären, dass diese Strukturen diskriminierend sind und wie man sie ändern kann. Denn den Marginalisierten wird ja nicht zugehört. Also müssen die weißen cis-hetero-Männer wieder das tun, was sie so gerne tun und daher auch so gut können: anderen weißen cis-hetero-Männern die Welt erklären.

Und was lernen wir daraus? Unsere Rettung besteht darin, dass weiße cis-hetero-Männer sich gegenseitig die Welt erklären. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

3 Gedanken zu „Weiße cis-hetero-Männer erklären die Welt

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