Über den Frauen*anteil in einem feministischen Umfeld

Die Flauscheria bloggt (Liste der Teilnehmenden noch unvollständig). Viel und toll und es macht Spass zu schreiben und zu lesen. Besonders freue ich mich über Beiträge aus dem queer_feministischen Themenspektrum, beispielsweise diesen über das unfreiwillige in Geschlechter_rollen gepresst werden oder diesen Rant über Nicht_allies.

Was mir schon früh in der Planung dieses Vorhabens auffiel: unter den geplanten Eisenbloggenden waren nur wenige nicht cis-männliche Personen. Das mag unter anderem daran liegen, dass die Planung großteils in einem IRC-Channel stattfand, der einen recht hohen cis-Männeranteil aufweist. Es mag auch daran liegen, dass Frauen und_oder genderqueere Personen, vor allem wenn sie zu queer_feministischen Themen bloggen, deutlich stärker auf Ablehnung, Hass und Anfeindungen stoßen, als cis-Männer, und daher die Hemmschwelle größer ist. Die Liste der Gründe endet hier sicher nicht, aber bei dem konkreten Projekt habe ich diese beiden Punkte als Hauptgründe wahrgenommen, deshalb möchte ich mich darauf konzentrieren.

Zum ersten Punkt: die Planung fand in einem cis-männlich dominierten Umfeld statt. Dazu könnte einer* natürlich argumentieren, dass dies nunmal der bevorzugte Kommunikationskanal der*s Organisierenden ist, dass diese*r ja nichts dafür kann_können, wie das dortige Publikum sich zusammensetzt und dass es zwar bedauerlich sei, aber nicht in der Macht einer oder weniger Personen liege, daran kurzfristig etwas zu ändern. Bei dieser Argumentation drängen sich mir aber doch einige kritische Fragen auf. Wie kommt es eigentlich, dass in einem ausdrücklich profeministischen Umfeld ein cis-männlich dominierter Kommunikationskanal bevorzugt wird? Wie kann es überhaupt sein, dass ein Kommunikationskanal in einem solchen Umfeld überwiegend aus cis-männlichem Publikum besteht? Und wie wollen wir eigentlich die Welt revolutionieren, wenn wir schon bei der Aufgabe klein beigeben, unser direktes, feministisch geprägtes Umfeld zu entpatriarchalisieren?

Der andere Punkt hängt weniger mit dem konkreten Umfeld zusammen: Frauen und_oder genderqueere Personen müssen mit mehr Antagonismus rechnen, wenn sie allzu laut ihre (nicht mainstreamkonforme) Meinung sagen. Selbstverständlich lässt sich dazu anbringen, dass die Organisierenden keinen Einfluss auf die antagonisierenden Trolle und Hater haben. Wünschenswert wäre es allerdings meiner Ansicht nach, dass sie sich zumindest bei der Planung dieses Umstands bewusst sind und darauf eventuell mit Lösungsstrategien reagieren, beispielsweise einer Infrastruktur, die anonymes oder pseudonymes Bloggen ermöglicht_vereinfacht.

Insgesamt hätte ich mir von einer Projektplanung in einem solchen Umfeld etwas mehr Problembewusstsein und proaktive Lösungsstrategien erhofft. Wer, wenn nicht wir, soll denn sonst damit anfangen?

2 Gedanken zu „Über den Frauen*anteil in einem feministischen Umfeld

  1. sofa

    Ich sehe das ganz genau so wie du. Die Idee ein Iron Blogging zu machen kam ja nun mal von mir, ich würde mich dennoch nicht als „Organisator“ oder so etwas sehen – das ganze ist bisher nicht organisiert, bis auf die 10 Minuten um den Planeten aufzusetzen. Aber ich würde es gerne organisieren, oder ein Projekt draus machen und irgendwie diese Probleme – die sich ja leider durch das ganze Internet ziehen – in Angriff nehmen. Es gibt da diesen Uberspace mit einer Domain – da könnten ich_wir z.B. anonym Blogs hosten. Das nur so als eine erste Idee. Ich hoffe mir und den anderen kommen noch weitere. Danke hierfür, (Selbst)Kritik ist wichtig. Ich bin fast jeden Tag im offensichtlichen IRC-Kanal, ich würde gerne beim wilden Ideen herumschleudern mitmachen.

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  2. Pingback: Iron Blogging Woche #2 | Flauscheria

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