New to Feminism

Ich bin „neu hier“. Mein Blog gibt es noch nicht lange und zu meinem mir sehr ans Herz gewachsenen Umfeld hier in diesem Internet bin ich auch erst deutlich später hinzugestoßen als die meisten von euch. Entsprechend „neu“ ist meine Beschäftigung mit der Antidiskriminierung, insbesondere mit dem Feminismus.

Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht inzwischen gedanklich und emotional sehr viel damit auseinander gesetzt habe. Ich folge vielen (queer-)feministisch und antirassistisch aktiven Menschen auf Twitter und lese ihre Diskussionen und vor allem einige der vielen tollen Blogposts, die sie mir täglich in die Timeline legen. Ich habe selbst schon die ein oder andere Diskussion auf Twitter geführt und dabei mal mehr, mal weniger (bisher zum Glück meist weniger) maskulistischen Hass auf mich gezogen. Und ich habe inzwischen auch ein paar Blogposts in diesem Themenbereich geschrieben.

Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Ich hab mich und meine Einstellung zu vielen Themen grundlegend geändert. Ich habe ein Bewusstsein für den Problembereich Diskriminierung entwickelt. Ich habe meine eigenen Erlebnisse, aber auch mein Verhalten reflektiert und mich mit meinen Privilegien beschäftigt. All das hat viel Zeit und Energie in Anspruch genommen. Es hat mich aufgewühlt, war manchmal schmerzhaft oder zum Haare raufen. Aber es hat mir auch viel gegeben. Ich habe Diskutieren gelernt, kann inzwischen zum Beispiel meinen Bruder, dem ich früher rhetorisch haushoch unterlegen war, recht gut Paroli bieten. Ich habe gelernt, dass ich etwas zu sagen, etwas beizutragen habe – dass meine Worte Gewicht haben. Insbesondere habe ich gemerkt, wie wichtig es für mich ist, meine Meinung formulieren zu können und den Mut zu haben, sie dann auch auszusprechen.

Trotzdem heißt dieser Artikel „New to Feminism“. Ich fühle mich immernoch wie die Neue. Durch meinen späten Einstieg, aber auch dadurch, dass ich immer mal wieder Pausen brauche, immer mal wieder nicht alles mitverfolgen kann, habe ich Lücken. Viele eurer Erlebnisse, die euch geprägt haben und die euch ständig begleiten, Diskussionen, Auseinandersetzungen und Anfeindungen, denen ihr ausgesetzt wart, kenne ich nicht oder nur bruchstückhaft. Und was noch viel schlimmer ist: Viele, viele eurer großartigen Blogposts, in denen ihr diese Erlebnisse schildert und verarbeitet, eure Gedanken formuliert, neue Ansätze entwickelt, kluge Einwände bringt, auf Misstände aufmerksam macht, Richtungen einschlagt, Lösungen sucht und findet, habe ich nie gelesen. Ich möchte einen Trichter haben, der direkt ins Gehirn führt und durch den ich all das Verpasste und Versäumte gießen kann, um es ganz schnell aufzuholen.

Aber bis dahin bitte ich euch: Habt ein wenig Geduld mit mir. Seid mir nicht böse, wenn ich wiederhole, was ihr schon lange wisst. Wenn ich nachfrage, wo euch alles selbstverständlich ist. Und wenn ich eine Referenz auf eure Inhalte versäume, wo sie offensichtlich angebracht wäre. Ich weiß, dass es meine Verantwortung ist, das Wissen aufzuarbeiten, nicht eure, es mir (zum Millionsten Mal) zu erklären.

2 Gedanken zu „New to Feminism

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